Chronik der Beginen auf dem Tännich in Thüringen
1992 - 2006


TEIL I

1. Vorgeschichte

1992
„Spurensuche" Artikelserie einer Arbeitsgruppe des Frauenzentrums BRENNESSEL in Erfurt, wurden in der MONATLICHEN veröffentlicht,
Recherchen über Hexen und Beginen in Erfurt. Erstes Konzept für ein Frauendorf „Nesseltown"

1995
Gründung der Feministischen Partei DIE FRAUEN in Kassel.  Erste Kontakte zu Beginen im Pott, weitere Vernetzungen

1998
Gisela, Ursula und Mechthild besichtigen mögliche Beginenhof-Standorte.   Beginenhof-Planungsgruppe trifft sich regelmäßig in der BRENNESSEL

Ergebnis: wenn wir den Ort gefunden haben, sollen die dort lebenden Frauen feministische Strukturen und Konzepte umsetzen.
Grundlage:
Beginen sind wirtschaftlich, emotional und spirituell selbst-verantwortlich,
alle überschüssigen Energien gehen selbstbestimmt in das Projekt.
Es soll Frauenland in Gemeinschaftseigentum  werden,
über die formalen Strukturen wird später von denen entschieden, die dort leben werden.


2. Beginenhof auf dem Tännich

3. Okt. 1998
Mechthild, Ursula, Edeltraut und Andrea wird ein Objekt auf dem Tännich empfohlen, sie besichtigen es und wissen, dies ist der perfekte Platz für einen Beginenhof.

28. Dez 1998
Gisela kauft den Hof für DM 1,4 Mio auf Kredit (100%) und haftet für den Kredit mit Ihrem privaten Vermögen.  Sie schenkt dem Hof - den Frauen - DM 500.000 als Ausgleich der unbezahlten Arbeit ihrer Mutter für das private Familienvermögen. Zu ihrem Gedenken wird der Beginenhof  „Lieselotte" genannt.  Das Geld wird für Investitionen etc. genutzt.
Der Bankkredit wird aus den gemeinschaftlichen Arbeiten abbezahlt, die jede Begine unentgeldlich leistet. 

16. Jan 1999
Einweihung des Beginenhofes Lieselotte mit über 60 Frauen.

Jan - Juni 1999
Sabine B. übernimmt die Verwaltung des Hofes, alle anderen sind in der BRENNESSEL mit der Durchführung der NGO Nachfolgekonferenz von Peking beschäftigt.


3. Besiedlung des Beginenhofes

Juli/Aug 1999

Mehrere Subbotniks zur Entrümpelung der Gebäude mit jeweils 30 bis 40 Frauen.

Karin (FZ Eisenach) renoviert die erste Wohnung für sich und 3 Kinder im rechten Seitenflügel., Sonja (FZ Langensalza) zieht in ein Appartement im 2. OG des Haupthauses, Mechthild und Ursula (FZ Brennessel)  ziehen in Appartements im 2. OG des Haupthauses, Gisela bezieht das 1. OG im linken Seitenflügel.

· Alle zahlen eine ortsübliche Miete und selbstgewählte Beginenspenden.
· Beschlussfassendes Gremium ist die wöchentliche Beginenversammlung.
· Es werden ausführliche Protokolle geschrieben.
· Konsens und gegenseitiges Vertrauen ist die Grundlage der Zusammenarbeit.
· Arbeiten und Verantwortlichkeiten werden nach Fähigkeiten verteilt, woraus sich flache, sachbezogene Hierarchien ergeben.
· Arbeit und Geld sollen gleichberechtigten Wert haben.
· Zins und Tilgung betragen DM 8.000 im Monat, wird durch Veranstaltungen und Vermietung erarbeitet. Gisela füllt so lange wie nötig
die Einnahmen auf den benötigten Betrag  auf (nötig war es bis 2003)
· Die Beginengrundsätze werden diskutiert.
· Strukturen werden diskutiert. Modell: Beginenversammlung, Verein, gGmbH und Stiftung

Herbst 1999
Mit Beschluss der BV wurde Friedas-Häuschen samt Felder und Tännichgrund für DM 60.000 zum Beginenhof dazu gekauft (aus den DM 500.000) sowie die Pacht für den anliegenden Obst- und Gemüsegarten übernommen .

Okt-Dez 1999
Erika  (Beginen im Pott) investiert zur Sanierung ihre Wohnung im 1. OG Hauptgebäude ca. 45.000 DM Eigenkapital. Macht einen schriftlichen Vertrag über die Modalitäten (Zeitwert) bei Auszug.
Gertrud  (Umwelts- und Friedensaktivistin aus Hamm) saniert ebenfalls ihre Wohnung im 1. OG Hauptgebäude mit ca 40.000 DM Eigenkapital, die sie den Beginen, später der Beginenhof-Stiftung schenkt.   
Sylvia (Heilpraktikerin aus Erfurt) wird Wanderbegine mit Zimmer.
Kathrin (Mädchenprojekt Erfurt) wird Wanderbegine mit ihren Töchtern Julia (2 J.) und Marianna (1J.)
Helga (Fem. Partei aus München) wird Wanderbegine


Sie möchten vor allem mit dem Affidamento leben und die Beginengrundsätze in die Welt bringen.